Ein Mopped zum 30.

Mini Harley zum Dreißigsten. Im Februar schrieb uns Christoph Schroer und berichtete von seinem Heldenprojekt. Für seinen Kumpel schweißte er ein filigranes Modell einer Harley Davidson.

Ein ganz besonderes Geschenk

Zum 30. Geburtstag wollte ich meinem Kumpel ein besonderes Geschenk machen und ihm ein Modell seines liebsten Gefährts schweißen. Vorlage war die originale Harley in seiner Garage. Damit er von meinem Vorhaben nichts mitbekommt, habe ich die Maße für das Modell genommen, als er auf Nachtschicht war.

Mit dem Schweißen bin ich vertraut. Ich arbeite als Industriemechaniker im Maschinenbau und stelle Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung her. Schweißen gehört daher zu meinen täglichen Aufgaben. Aber auch zuhause schweiße ich immer mal wieder und bin gern in meiner Werkstatt aktiv, die mittlerweile recht gut ausgestattet ist. Dort habe ich auch das Motorrad realisiert.

Das Modell besteht komplett aus Vollmaterial und wiegt dementsprechend viel. Die Räder sind aus Flachstahl. Um sie in Form zu biegen, konnte ich auf meine selbstgebauten Walze (siehe Fotos) zurückgreifen. Die Teile vom Motorblock und Tank habe ich jeweils erst grob zugesägt und dann in mehreren Schritten in Form gebracht.

Anfertigung vom Motor bis zum Rahmen

Beim Tank habe ich zuerst ein Loch gebohrt, um die Mittellinie festzulegen. Danach ging es an den Grobschliff. Dafür habe ich den Winkelschleifer Makita 9565CVR mit einer Cubitron 60+ und 80+ Fiberscheibe benutzt. Nachdem die Form einigermaßen stimmte, ging es an den Feinschliff mit dem Fein WSG 15-70 Inox Winkelschleifer und diversen Kombi- und Filztellern. Das Handling des Winkelschleifers ist sehr gut, so dass ich schnell vorankam. Anschließend habe ich den Tacho mit dem WIG 200 P aufgeschweißt. Zum Einfräsen der Rillen habe ich den Hartmetall Kugelfräser von Dremel genutzt.

Nun ging es an den Motor. Die ersten Schritte (außer der Bohrung) wurden wie am Tank ausgeführt. Anschließend machte ich mich an die Rillen in den Zylindern. Hierfür konnte ich wieder auf den Hartmetall Kugelfräser von Dremel zurückgreifen. Nachdem ich alles an den Rahmen angepasst hatte, wurde zusammengeschweißt.

Der Rahmen war das schwerste. Weil daran alles befestigt werden musste und die Form zum Vorbild passen sollte, durfte hier nichts schief gehen. Einen Versuch musste ich daher auch verwerfen. Ein paar Winkel stimmten nicht und so war kein richtiger Bezug zum Original zu erkennen.

Geschweißt wurde alles mit WIG, bei den feinen Teilen auch mit Puls Verfahren. Die Speichen habe ich mit ca. 40 A geschweißt, an den dicken Teilen am Motor habe ich etwa 150 A verwendet. Wichtig ist, dass die Stromstärke stimmt und man eine feine Nadel einsetzt. Gerade beim Schweißen der filigranen Teile muss man sehr vorsichtig sein. Ganz klar, ohne Hochfrequenzzündung wäre man ziemlich aufgeschmissen!

Zum Schluss habe ich mich um die Schweißnähte gekümmert und diese elektrochemisch nachbehandelt. Dafür habe ich den Cleano2 von Schweißkraft verwendet. Damit die Verarbeitung möglichst glatt wirkt, habe ich teilweise mit Pinsel oder Kohlestempel gearbeitet.

Viel Arbeit, die sich gelohnt hat

Insgesamt habe ich inklusive Vorbereitungen (Fotos machen, Maße berechnen, 1:1 Zeichnung erstellen) etwa 70 bis 80 Arbeitsstunden in das Modell investiert. Da ich zum ersten Mal ein solches Modell erarbeitet habe, war vieles für mich neu. In der Regel hat man für alles exakte Maße und arbeitet nach Anleitung. Bei diesem Modell musste ich von Grund auf neu anfangen. So habe ich einiges dazugelernt, eine Menge Spaß gehabt und nicht zuletzt hat sich auch mein Kumpel sehr gefreut über seine zweite Harley!