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Timur und das „Biest“

Über Facebook sind wir mit Timur Yönlü in Kontakt gekommen, der eine alte Honda Maschine in das "Biest" umgebaut hat. Die raffinierte Idee ist schon auf so manchem Event als Ausstellungsstück sehr gut angekommen. Wir wollen euch die Details nicht vorenthalten und haben Timur gebeten, etwas über sein Projekt und seine Karriere als Künstler zu erzählen.

Timur der Künstler

Eigentlich habe ich mich nie als Künstler gesehen. Der Begriff „Künstler“ hörte sich für mich immer sehr ernsthaft und wichtig an. Ich dagegen baue meine Skulpturen eigentlich nur zum Spaß. Dass sie nun bei Kunstausstellungen gezeigt werden und ich plötzlich Künstler bin, ist schon etwas Besonderes für mich. 

Die Idee für das „Biest“

Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit dem „Biest“. Ich hatte das Roboterkunst Festival „Robodonien“ in Köln besucht und dort die grandiose Skulptur „LRRY-1“ von Lyle Rowell gesehen. Damals dachte ich nur: "Geil! Genau so etwas habe ich auch im Kopf!" Also richtete ich mir im überdachten Hof meiner WG in Alfter bei Bonn eine Art Schrauberhöhle bzw. „Atelier“ ein und legte los.

Das Biest ist im Ursprung eine Honda NTV, die ich eigentlich reparieren sollte. Aber der Schaden war zu groß, also wurde ich zum Besitzer der Maschine und fing an, sie umzubauen. Bei dem Projekt habe ich mich von den Büchern von Jules Verne, dem Film „Mad Max“ und vor allem von den "Werner“-Comics inspirieren lassen. 

Von der Idee zur Umsetzung

Beim Arbeiten setze ich auf eine einzige Technik: Das Elektroschweißen. Kein WIG, kein MIG MAG, keine Autogen – ich benutze einfach eine Stabelektrode. Ich habe ein uraltes, sehr schweres Schweißgerät, dessen Name und Herstellungsjahr nicht mehr herauszufinden sind. Leider ist das Elektroschweißen auch eine große Einschränkung. Ich hätte gerne ein Schutzgasschweißgerät, um damit auch dünnere Bleche schweißen zu können, denn beim Elektrodenschweißen brennen sie immer weg.  Für dicken Stahl wäre ein Schneidbrenner auch nicht schlecht, aber die Anschaffung ist nicht so einfach.

Mein Verbrauchsmaterial bekomme ich von einem Maschinenbauunternehmen, den Schrott vom hiesigen Schrottplatz. Gerade die Zusammenarbeit mit Schrottplätzen ist oft nicht einfach. Nicht jeder Unternehmer hat es gerne, wenn "Hinz und Kunz" durch den Schrott wühlen. Aber mein Stammschrottplatz unterstützt mich hervorragend! Wenn es die Zeit erlaubt, wird mittels Bagger schon mal ein ganzer Schrotthaufen umgesetzt oder spezielle Teile werden für mich zurückgelegt.

Dass das Biest schließlich auch bei „Robodonien“ gezeigt wurde, war etwas ganz Besonderes für mich. 

Das Biest auf Ausstellungen

Seither folgten weitere Ausstellungen. Einmal stand das Biest in einem Käfig und wirkte wie ein Tier. Eine Familie versammelte sich vor dem Käfig und guckte sich das Werk an. Ich stand inkognito daneben. Der Sohn fragte, ob das Motorrad denn noch fahren würde. Der Vater antwortete mit Selbstsicherheit: „Natürlich nicht, Junge. Diese Maschine KANN gar nicht fahren, das geht nie und nimmer!“ Das war mein Moment! Ich ging zum Käfig, öffnete die Tür, setzte mich auf das Biest, legte den Zündanlassschalter (3Phasen 400V Leitungstrennschalter) um und startete Motor und Licht. Dann legte ich einen Gang ein und ließ die Kupplung kommen. Das Biest rollte los. Der Sohn jubelte: „Das Motorrad kann ja doch fahren, Papa!“ Der Vater rief mir zu: „Sind Sie verrückt? Sie können sich doch nicht einfach auf das Kunstwerk setzen und losfahren!“ Ich sagte nur: „Doch, das kann ich. Ich habe es nämlich gebaut!“

Natürlich kann das Biest fahren. Aber es einer Hauptuntersuchung / Vollabnahme / Einzelabnahme beim TÜV zu unterwerfen, wäre schlichtweg sinnlos. Dennoch würde ich das gerne einmal versuchen. Aber bisweilen habe ich keine TÜV-Stelle gefunden, die einen solchen Spaß mitmachen würde. 

Was kommt nach dem Biest?

Aktuelle arbeite ich schon an einem neuen Projekt: „Biest´s Bruder“. Aller Voraussicht nach wird diese Skulptur an das Batmobil angelehnt sein. Die Basis ist diesmal eine Yamaha XJ600 aus dem Jahr 1986.

In meiner Kunst spielt die Komponente "Fahrzeug, Motorrad, Auto“ eine große Rolle. Ich habe Benzin im Blut. Das wird sich auch in meiner neuen Arbeit wieder deutlich zeigen.

Weitere technische Details zum Projekt findet Ihr hier.

Auf welche Projekte bist Du besonders stolz? Schicke uns Dein Projekt, beim dem Du Dich richtig durchgeboxt hast.
Werde zum Schweißheld!

  • Sehr eigenwillige Skulptur mit ansprechender Optik.
    von Klaus Wenz am 29. Februar 2016
    Der "Künstler" hat etwas zum Ausdruck gebracht, wie die Technik im Wandel der Zeiten mitwächst und sich auch verändert. Bemerkenswert an diesem Objekt ist, daß es voll funktionsfähig und fahrbereit ist.
     
 

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